Granada

Die nun folgende Fahrt war durchwachsen, denn nur zu Beginn fuhren wir eine schöne Strecke durch die Berge, die mit Gräsern bewachsen waren. Ein schöner Anblick! Aber es blieb nicht so schön, weil die Landschaft bis in die Berge hinein mit Folienfeldern bedeckt war. Jeder Winkel wird hier landwirtschaftlich genutzt, teilweise bis zum Meer. So hatten wir uns Andalusien nicht vorgestellt. 

Hinzu kam, dass der Feiertag (Freitag) den Spaniern ein langes Wochenende bescherte. Das hatte zur Folge, dass es für uns schwierig wurde einen Übernachtungsplatz zu finden. Denn viele Plätze waren um 19 Uhr schon vollbelegt. Ich befürchtete schon, dass wir die ganze Nacht durchfahren müssen. Aber in Herradura hatten wir Glück und erwischten noch ein Plätzchen. Wir blieben gleich zwei Tage und kümmerten uns in Ruhe um die Wäsche, den Reisebericht und genossen den Spaziergang am Wasser.

Alhambra

Auf den Besuch der Alhambra in Granada hatten wir uns schon gefreut. Die Busanbindung von unserm Campingplatz nach Granada war prima und so buchten wir im Internet zwei Eintrittskarten. Leider regnete es zum ersten Mal seit längerer Zeit, so dass wir erst mittags losfuhren. Vier Stunden wären uns für den Besuch geblieben, wenn alles glatt gelaufen wäre. 😉

Aber wir hatten nicht mit den Turbulenzen der EDV-Umstellung gerechnet und wurden nicht hineingelassen, da uns keine Bestätigungsmail zugeschickt wurde. Nach einer Stunde Wartezeit wurde uns „angeboten“ den Eintritt noch einmal zu bezahlen. Der schon überwiesene Geld sollte zurücküberwiesen werden, was bis heute noch nicht geschehen ist.

Da hieß es die Ruhe bewahren, tief Luft holen und nach dem Einlass den Besuch der Festung genießen! Dass wir nicht die Einzigen waren, die dieses Problem hatten, war nur ein schwacher Trost.

Die Alhambra ist die größte maurische Festung in Andalusien und ist einen längeren Besuch wert. Wir konnten uns in der verbliebenen Zeit zwei Teile genauer ansehen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. 

Zuerst wandelten wir durch die Sommerresidenz der maurischen Könige – Generalife. Die Häuser des Sultans mit wundervoll verzierten Wänden aus Marmor und fein gearbeiteten Decken und Türen aus Holz begeisterten uns schon sehr. Auch in den Gärten mit den Wasserspielen und den umlaufenden Galerien hätten wir uns gerne länger aufgehalten. So sehr gefiel es uns hier.

Den absoluten Höhepunkt bescherte uns jedoch der Besuch der Nasridenpaläste. Für die Besichtigung dieses Teils der Alhambra gibt es ein Zeitfenster. Das heißt: Pünktlich am Ort sein und in der Schlange warten….

Als wir endlich den Regierungs- und Wohnsitz der Nasridenherrscher betreten durften, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Stuckdecken aus Holz und Gips mit fein gearbeiteten Ornamenten – der Reichtum wahr nicht zu übersehen. Mit jedem Raum wurde die Pracht größer und wir stellten uns vor, wie es hier wohl vor vielen Jahren zugegangen ist. Der Patio de los Leones (Löwenhof) mit dem Löwenbrunnen und den Säulen rund um den Hof faszinierte uns ebenso. Dieser Bereich war den Frauen, Konkubinen und Kindern der Herrscher vorbehalten. 

Um die Festung Alcazaba zu besichtigen fehlte uns leider die Zeit, aber wir hatten die Möglichkeit einen Blick in den runden Innenhof des Palastes von Kaiser Karl V. zu werfen. Einen Teil der Nasridenpaläste ließ der Kaiser abreißen, damit sein Rennaissancepalast errichtet werden kann.

Der Fußweg zur Alhambra und zurück zur Haltestelle hatte es in sich, denn es ging immer steil bergauf. Dennoch nahmen wir nicht den Bus und waren am Abend rechtschaffen k.o.. 

Kathedrale

Am nächsten Tag schauten wir uns noch die Catedral Santa Maria de la Encarnación an. Es ist die größte Kathedrale Spaniens, die gebaut wurde um den Sieg der Christen über die Mauren zu feiern. Sie besitzt fünf Schiffe, die durch mächtige Bündelpfeiler voneinander getrennt werden. Wir fühlten uns wie in einem Palast, denn die Pracht und die gigantischen Ausmaße dieser Kirche sind überwältigend. Schon von außen unterscheidet sich der Bau erheblich von allen Kathedralen, die wir bisher gesehen haben.

Almería

In Almería fuhren wir auf einen Übernachtungs-Parkplatz am Hafen, von welchem aus wir zu Fuß in die Stadt gehen konnten. Unser Ziel war es nämlich die alte maurische Festung Alcazaba zu besichtigen. Den ersten Teil sahen wir uns am späten Nachmittag an und die anderen Bereiche am nächsten Vormittag, da diese Anlage im Winter nur bis 18 Uhr geöffnet ist. 

Die Alcazaba ist die zweitgrößte maurische Festung in Andalusien und wurde hoch oben auf einem Felsen erbaut. Von dem Bereich, in dem die Menschen früher wohnten, waren nur noch Ruinen übrig geblieben. Man kann nur erahnen, wie es hier früher ausgesehen hat. 

Wir besichtigten u.a. den „Keller“, in dem das Wasser gespeichert wurde und einen früheren Wohnraum, der sehr klein und eng war. In der Nacht diente er zum Schlafen und am Tag zum Arbeiten. In welchem Luxus leben wir heute mit all den vielen Räumen!
Mit ihren gewaltigen Mauern und Zinnen und der Größe der Anlage übte die Festung einen faszinierenden Reiz auf uns aus. 

Zum Schluss schauten wir uns die von den Christen erbaute Burg an – ein völlig anderes Bild! Interessant finde ich immer wieder, dass Teile der alten Festung abgerissen wurden, um darauf den neuen Teil zu erbauen.

In der Stadt gingen wir durch enge Gassen, die an frühere Zeiten erinnern. Marokkanische Restaurants und Läden säumten die Straßen – ein buntes Bild!

Von einem Erlebnis am Abend zuvor muss ich unbedingt noch berichten: Als wir in unserem Wohnmobil saßen, strömten viele Leute, überwiegend Jugendliche, an uns vorbei. Wenig später hörten wir eine Musikgruppe, die sich mit Trommeln, Trompeten und Kastagnetten bemerkbar machten. Ein lautes Spektakel, das sich ganz nah neben unserem Wohnmobil abspielte. Später erfuhren wir, dass am folgenden Tag ein andalusischer Feiertag war, womit das „Konzert“ mit Sicherheit etwas zu tun hatte. Um 23 Uhr kehrte dann Ruhe ein.

Parque Natural Cabo de Gata-Níjar

In San José fanden am nächsten Tag mit etwas Glück einen Weg in das Naturschutzgebiet. Enge Straßen führten uns hoch hinauf – ich weiß nicht, wie Werner es immer schafft, nicht anzuecken. 😉 Es wehte ein frischer Wind und in der Sonne war es heiß um die Mittagszeit. Unsere nun folgende Wanderung war wirklich ein Traum: Auf dem Weg durch die Berge sahen wir ein wahres Blumenmeer, das gelb, blau/lila und weiß leuchtete. Wieder konnten wir eine Windmühle betrachten und uns die Arbeitsweise auf der Infotafel durchlesen.

Oberhalb der Bucht angekommen, fanden wir – wie für uns geschaffen – eine Bank für ein kleines Picknick und schnell noch eine Rückenübung ;-).

Der Weg am Strand erlaubte es uns die von Vulkanausbrüchen geformte Küstenlandschaft eingehend zu betrachten. An einer Stelle kann man sich richtig vorstellen, wie sich das erkaltende Gestein in Richtung Meer bewegte. Da Tuff sehr porös ist, ist er Wind und Wetter stark ausgesetzt und so sahen wir immer wieder neue interessante Formen.

Zum Schluss kletterten wir noch den Berg hinauf, ein Weg mit viel Geröll – gar nicht so einfach! Oben angekommen war alles vergessen – bis zum Abstieg! Wie immer war es ein schönes Gefühl, oben zu stehen und über die Bucht zu schauen. Da es kein Rundweg war, gingen wir den Weg wieder zurück. Nach 4-5 Stunden in der prallen Sonne hatten wir jedoch von derselben genug und ruhten uns aus. 🙂

Diesmal übernachteten wir auf der anderen Seite des Kaps in Cabo de Gata (Almería) an einem schönen Strand mit Fischerbooten. Der Sonnenuntergang war an diesem Abend wunderschön. 

Von dort aus fuhren wir am nächsten Tag an Salzwiesen vorbei zum eigentlichen Kap. Zuerst wunderten wir uns, dass an diesem schönen Ort vier Anwesen zu sehen sind. Es gibt kaum einen Ort, an dem nicht Privathäuser stehen… Wahrscheinlich standen sie schon dort, bevor dieses Gebiet im Jahr 2000 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Als wir diese auf unserer Wanderung hinter uns gelassen hatten, konnten wir die Natur mit ihren Felsen aus Vulkangestein so richtig genießen. Ja, es gibt schon schöne Stellen in Spanien – man muss sie nur finden. Obwohl der Parkplatz voll war, trafen wir nur wenige Leute auf dem Weg. Die meisten blieben wohl am ersten Aussichtspunkt – zum Fotografieren. 😉

Nach einer Pause und einem Halt bei den Salinen mit ihren Flamingos verließen wir diese schöne Gegend wieder. Dieses Naturschutzgebiet ist wirklich ein lohnendes Ziel. 🙂

Cuatro Calas

In Águilas konnten wir unsere Gasflaschen füllen lassen – welch ein Glück! Jedes Land hat seine eigenen Flaschen, daher können wir unsere deutschen Flaschen in Spanien nicht tauschen.

Kurz hinter diesem Ort entdeckten wir eine traumhafte Bucht Cuatro Calas mit markanten Formen im Felsen aus Sandstein und Spuren von Vulkanausbrüchen aus der Vergangenheit. Besonders interessant waren die Höhlenwohnungen, die laut Infotafel als Unterstände für Vieh und zur Lagerung von Vorräten dienten. Wir schauten uns alles begeistert an und fotografierten wie die Weltmeister.

Weiter ging die wunderschöne Fahrt durch die Berge, teils durch die Natur, teils an Obstplantagen und Gemüseanbau entlang. Im touristischen Garrucha erledigten wir nur unseren Einkauf – Milchprodukte aus Norddeutschland!!!
Der nun folgende Küstenabschnitt gefiel uns richtig gut, denn wir konnten wieder Spuren der Vergangenheit entdecken. Ruinen einer alten Fischfabrik, das Castello de Macenas und die Mina la Mena de Macenas. Man kann nur erahnen, wie es früher hier ausgesehen hat – auch auf den Infotafeln lesen wir (spanisch!), dass nicht genügend darüber bekannt ist. Auf jeden Fall wurde in den Minen Eisenerz abgebaut – ganze zehn Jahre lang.

Wir übernachteten hier am Meer mit einigen anderen Campern und sahen am Abend sogar eine kleine Fledermaus fliegen. Am nächsten sonnigen Morgen wanderten wir einen herrlichen Wanderweg oberhalb der Küste bis Mojácar und zurück. Einfach schön!

Costa Calida

Von Murcia aus fuhren wir wieder zum Meer zur Lagune Mar Menor, wo uns die Salinen von San Pedro del Pinatar interessierten. Die Fahrt führte uns durch riesige Obstplantagen, Gemüsefelder und einfach gebaute Gewächshäuser. Das war erst der Anfang von einer Landschaft unter Folie und gefiel uns gar nicht. 

Im Naturschutzgebiet Salinas de San Pedro del Pinatar wanderten wir um ein Salzbecken und beobachteten Flamingos und andere Wasservögel. Für eine längere Wanderung war es einfach zu heiß. Viele Spanier nutzten den Sonntag für einen Familienausflug in die Natur. In San Javier am Mar Menor tobte das Leben – Tourismus pur! Schnell fuhren wir weiter.. 

Auch die Karthagerstadt Cartagena ließen wir links liegen und fuhren bis Águilas, wo wir am Hafen übernachten konnten. Es war Karnevalssonntag und auch in dieser Stadt gab es einen Umzug, der just zu der Zeit begann, als wir am späten Nachmittag ankamen. Viele Straßen waren abgesperrt, aber wir schafften es irgendwie zum Hafen zu kommen. Eine Promenade führte uns am Wasser entlang in die Stadt, die mit Apartmenthäusern völlig zugebaut war. Auch den Felsen hatten sie nicht ausgespart….

Die Stadt war voller Menschen, die auf den Höhepunkt des Umzugs warteten, den eine Trommelgruppe mit Begeisterung ankündigte. Anders als bei uns im Rheinland waren die Straßen teilweise mit Sichtschutz vom Bürgersteig abgetrennt, Sitzgelegenheiten (Tribüne) waren aufgebaut. Alle waren mit Kind und Kegel unterwegs – ein Volksfest! Wir sahen eine Reihe von Süßigkeitenverkäufern, die mit ihren Wagen an den Menschen vorbei gingen und ihre bunten Waren verkauften. Wir schauten uns das Spektakel nicht bis zum Ende an und genossen den Rückweg am Meer zu unserem Wohnmobil.

La Isleta

Um in das Naturschutzgebiet Cabo de Gata – Níjar zu kommen, fuhren wir ab Carboneras wieder durch die Berge ins Land hinein, eine schöne kurvenreiche Strecke! Es gab sogar Aussichtspunkte (Mirador), die uns in Spanien oft fehlen. Im Gebiet von Níjar angekommen trauen wir unseren Augen nicht: Kilometerweit Gewächshäuser – Folien über Folien – von Natur keine Spur!
Wieder an der Küste angekommen landeten wir in La Isleta (Las Negras), einem kleinen Ort in einer schönen Bucht. Hier machten wir eine ausgedehnte Pause, schauten uns die Fischerboote an, spazierten am Strand entlang und wanderten zur Mühle. Wunderbar!
In San José übernachteten wir auf einem einfachen Stellplatz und machten noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Ein schöner Tag!

Murcia

Murcia liegt im Land in der sogenannten Huerta, dem Gemüsegarten, am Río Segura. Es ist die heißeste Region Spaniens. Das Gebirge schirmt das Land von den feuchten Luftmassen im Norden ab. Nur der heiße trockene Wind aus Afrika weht über das Land. Tagsüber wurde es in der Sonne richtig heiß und in der Nacht kühlte es stark ab.

Wir übernachteten gleich dreimal, arbeiteten an unseren Berichten, kauften Bälle für eine Schule in Marokko ein und schauten bei Decathlon und Ikea vorbei. Dort (Ikea) konnten wir unseren Bericht prima hochladen. 🙂

Als wir am Karnevalssamstag, mit der Bahn nach Murcia fuhren, wurden wir bei unserer Ankunft mit lauter Musik begrüßt. 😉 Denn in der Stadt ging gerade der diesjährige Umzug los. Karneval in Murcia! :-)Eine Tanzgruppe nach der anderen zog an uns vorbei und begeisterte durch ihre Tanzformationen und bunten Kostüme. Die Freude, aber auch die Anstrengung konnte man den Tänzerinnen ansehen. Hin und wieder sahen wir auch einen begeisterten Tänzer. 🙂 Jede Gruppe hatte ihre eigene Musik dabei – ohrenbetäubend laut! Wir gingen am Rande mit und genossen den Umzug. In den engen Gassen konnten wir der lauten Musik kaum entrinnen – miteinander reden war nicht möglich.

Nach diesem Spektakel widmeten wir uns der Stadt und bewunderten die barocke Fassade der Kathedrale auf der Plaza del Cardinal Belluga und warfen einen Blick in den Vorraum mit der großen Orgel. Danach besichtigten wir das Casino. Dort wurde gerade eine Hochzeit gefeiert. Schon an der Kathedrale hatten wir das Paar gesehen und auch einige besonders festlich gekleidete Leute. Insgesamt sehen wir in den Städten gut angezogene Spanier, auch die Kinder sind herausgeputzt. Da fallen wir mit unserer legeren Kleidung direkt als Touristen auf.

Zurück zum Casino (1847): Die prunkvollen Räume sind nur zum Teil für Besucher zugänglich. Wir wandelten durch die maurischen Bögen in der Vorhalle, staunten über den pompösen neobarocken Tanzsaal mit kostbaren Kronleuchtern und über die vielen Spiegel in der Damengarderobe. Allein der Eingangsbereich mit seinen Buntglasfenstern ist einen Besuch wert.
Inzwischen war es richtig heiß geworden und in der Sonne kaum auszuhalten. Da tat eine Pause in einem Café im Schatten gut. 

Weil wir an diesem Tag noch weiter fahren wollten, schauten wir uns nicht alle interessanten Gebäude und Plätze an. Später entschieden wir uns jedoch um und blieben noch eine weitere Nacht auf unserem Stellplatz am Rande der Stadt.

Parc Natural de l´Albufera

Im Gegensatz zu unserer langen Reise in die USA, wo wir kaum etwas vom Geschehen in Deutschland mitbekommen haben, halten wir uns hier auf dem Laufenden. Wir lesen von dem Anschlag in Hanau, was uns sehr betroffen macht. Was können wir persönlich machen, um das zu verhindern?

Nachdem wir uns einige Gedanken gemacht hatten, ging die Fahrt weiter zum Parc Natural de     l´Albufera. Durch Zufall parkten wir genau dort, wo einige Spanier eine Bootsfahrt auf der Lagune anboten. Ein kurzes Überlegen und schon fanden wir uns gemeinsam mit einer spanischen Großfamilie auf einem Boot wieder. Der Bootsführer erzählte viel von der Geschichte der Lagune (Araber), vom Reisanbau und vom Fischen. Ich konnte den Inhalt nur bruchstückhaft verstehen….
Es wehte kein Lüftchen – das Wasser war spiegelglatt. Ein paar Kormorane auf Pfählen, viele Enten im Wasser, Möwen und Flamingos in der Luft. So viele Flamingos am Himmel haben wir noch nie gesehen. 🙂

Als wir nach El Palmer fuhren, waren Werners Fahrkünste wieder gefordert. Schmale Gassen im Ort und auf den folgenden landwirtschaftlichen Wegen wurde es auch eng. Wenn man das immer schon vorher wüsste! Auf den Feldern gab es einiges zu beobachten: Die Reisfelder wurden mit speziellen Traktoren und Geräten geglättet. Die Felder waren nass und gewöhnliche Traktoren wären stecken geblieben. Zahlreiche Fischreiher und Möwen flogen immer wieder auf und landeten wieder auf dem Feld oder im Wasser. Ein schönes Bild! Bei dem frischen Wind picknickten wir im Wohnmobil und fuhren danach über die Berge nach Murcia. Die Fahrt vorbei an Oliven- und Mandelbäumen gefiel uns sehr gut. Leider gab es keine Haltebuchten, um die Aussicht in Ruhe zu genießen.

Valencia

Nach dem schönen Aufenthalt in der Natur war Valencia, die drittgrößte Stadt Spaniens, unser Ziel. Wir fuhren auf der Nationalstraße gen Süden und trauten unseren Augen nicht: Apfelsinenplantagen säumten die Straße – so weit das Auge reicht . Hin und wieder sahen wir fast verblühte Mandelbäume und Olivenhaine.
Als wir die vielen Hochhäuser an der Küste erblickten, wollten wir die Stadt Valencia fast links liegen lassen. Auf dem Weg zum Stellplatz in El Saler, in der Nähe einer Lagune gelegen, sahen wir jedoch die modernen Gebäude der Stadt. Das mussten wir uns ansehen!

Bequem fuhren wir mit dem Bus in die Stadt. Als wir ankamen, waren wir überrascht über die schönen Häuser, die teils reich verziert waren. Leider hatten wir den Stadtplan vergessen und so mussten wir uns an den Hinweisschildern orientieren. Ein aufmerksamer Herr empfahl uns zum Mercat de Colon zu gehen, der im Jugendstilviertel liegt – eine wunderschöne Halle, die Läden, Cafés und Restaurants beherbergt.
Ganz in der Nähe liegt der im Jugendstil erbaute Estación del Norte, ja Bahnhöfe können richtig schön aussehen. 🙂 Zielstrebig gingen wir zum Mercat Central, der mit einem riesigen Angebot aufwartete. Noch nie habe ich so viele Fischstände auf einem Markt gesehen. Unglaublich! Hier gab es alles, was das Herz begehrt und dazu noch eine kunstvolle Halle, die allein schon einen Besuch wert ist. Wir kauften nur ein wenig Serranoschinken, denn wir wollten uns ja noch einiges in der Stadt ansehen.

Nach einer Stärkung in einem der vielen Lokale, die ein 3-Gänge Menü für Touristen anboten, gingen wir zur Plaza de la Virgen. Dort bestaunten wir die Catedral Metropolitana und fotografierten sie von allen Seiten. Über die Plaza de la Reina, mit Orangenbäumen bepflanzt, verließen wir den Altstadtkern in Richtung „Grüngürtel“. Dieser Bereich, der die Altstadt wie eine Schleife umschließt, ist ein herrlicher Park, der auch Angebote für Kinder und Jugendliche bereit hält. Einst floss hier der Río Turia in seinem breiten Flussbett um die Stadt.
In diesem Gürtel liegt auch die CAC die Ciutat de les Arts i les Ciències, eine futuristische Stadt der Künste und Wissenschaften. Der valencianische Architekt Santiago Calatrava schuf diesen Komplex. Die außergewöhnlichen Gebäude gefielen uns gut und erinnerten uns ein wenig an Sydney. Wir schauten uns alles von außen an – ein Besuch der vielen Angebote wäre sicher lohnenswert gewesen, aber auch zeitintensiv. Die Welt der Wissenschaft, ein botanischer Garten, ein Ozeanarium, ein Planetarium und ein Theater befinden sich hier in der CAC.

Uns hat die Stadt Valencia richtig gut gefallen und beim nächsten Mal bleiben wir sicherlich länger als einen Tag. 

Delta de L´Ebre

Im Naturschutzgebiet Delta de L`Ebre fühlten wir uns sofort wohl: Weit und breit waren nur wenige Häuser zu sehen. Die mehr oder weniger einspurige Straße machte das Fahren jedoch nicht leicht. Oft hielten die entgegenkommenden Fahrzeuge an, denn keiner wollte in das tiefer liegende Feld abrutschen. Das war Präzisionsarbeit – gut, dass es noch hell war!
Bei Amposta überquerten wir den Ebro (längster Fluss Spaniens) und kamen dann auch schnell auf dem gut besuchten Stellplatz an. Der Fluss hat über die Jahrtausende Schlamm und Sedimente ins Meer gespült und so eine platte, feuchte Ebene geschaffen – ideal für den Reisanbau! Die Felder werden im Frühjahr überschwemmt, sind im Sommer grün und werden im Herbst abgeerntet. Zurzeit waren die Felder hier noch nicht bestellt.  
Heute ist ein großer Teil des Deltas Naturschutzgebiet, ein Eldorado für Wasservögel. Viele Vögel, so z.B. Flamingos machen hier auf ihrem Flug von und zu ihren Winterquartieren Rast.

Bei unserem ersten Gang am nächsten Vormittag beobachteten wir eine Gruppe von Flamingos, die im Wasser stand und auf Nahrungssuche war. Ab und zu flogen einige weg oder kehrten zurück. Das war immer ein besonderer Moment für Werner, der blitzschnell seine Kamera gen Himmel richtete, um das Bild einzufangen. Mit ihren langen Hälsen und Beinen sind die Flamingos gut in der Luft zu erkennen. Nie sahen wir einen Flamingo allein im Wasser stehen – ganz im Gegensatz zu den Fischreihern, die wir bei unserer zweiten Wanderung beobachteten. Kormorane, Möwen und viele andere Wasservögel suchten auf den feuchten Feldern nach Nahrung. Auch im Schilf „tobte das Leben“, Vögel und Frösche gaben sich ein Stelldichein. Wir genossen die Stille und die Einsamkeit, denn wir trafen nur wenige Radfahrer.

Am späten Vormittag besuchten wir das Dorf Poble Nou del Delta, ein hübscher, kleiner Ort mit einer Kirche und vielen (geschlossenen!) Restaurants. In einer Gaststätte tranken wir einen leckeren Café con lêche, während die Einheimischen sich ein Bier gönnten.
Bevor wir am nächsten Morgen weiterfuhren, schauten wir noch einmal nach den Flamingos. Während sie anfangs noch zu ruhen schienen, boten sie uns plötzlich ein kleines Schauspiel. War es eine Rangelei oder ein Balzverhalten? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall war es schön anzusehen, wie sie ihre Flügel schlugen und sich ihre langen Hälse bogen.
Der Aufenthalt im Delta de L´Ebre hat uns richtig gut gefallen.