Die Everglades II

Bei unserem Aufenthalt in den Everglades beobachteten wir nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern erfuhren auch viel über das Ökosystem. Der Flyer des Nationalparks ist informativ und gibt einen guten Einblick in die aktuelle Situation. Es gibt zwei Jahreszeiten, die Trocken- und die Regenzeit. Tiere und Pflanzen haben sich an diesen Wechsel angepasst. In der Regenzeit, besonders von Mai bis Oktober, fallen große Wassermengen in das „Kissimmee River basin“, die ganz langsam durch das Seegras zu den Mangrovengebieten fließen.

In den Wintermonaten sinkt der Wasserspiegel, was wir bei unserer Fahrt durch die Everglades gut sehen konnten. In der Vergangenheit war dieses Ökosystem im Gleichgewicht. Aber schon im Jahr 1947 wurde der Nationalpark gegründet, um die Everglades zu retten. Der Bevölkerungszuwachs (täglich 800 neue Bewohner) und die Landwirtschaft haben einen großen Einfluss auf die Everglades, denn der Wasserverbrauch ist enorm. Durch den Bau von Kanälen, die den natürlichen Fluss des Wassers unterbrechen und das gezielte Drosseln, bzw. Zuführen des Regenwassers in die Everglades, ist der Wasserstand teilweise zu niedrig, aber auch teilweise zu hoch. Aufzuzählen, was sich dadurch alles verändert, führt hier zu weit, ist aber hoch interessant! Immer wieder lasen wir vom hohen Quecksilbergehalt, der bei vielen Tieren festgestellt wird. So sollen Erwachsene nur einen „Bass“ (Fischart) pro Woche essen, Schwangere und Kinder gar keinen. 🙁

Nachdem wir dies alles wussten, sahen wir die großen Felder vor den Toren der Everglades mit anderen Augen und beobachteten die Bewässerung kritisch. Riesige Tomatenfelder benötigen natürlich viel Wasser! An der Tropical (Fruits) Village Farm ging Werner dann auf die Bremse und fotografierte die Papaya Plantage.

Am 18.12. fuhren wir zum Einkaufen nach Homestead und fragten bei Home Depot unsere Mails ab. Über die vielen Glückwünsche habe ich mich riesig gefreut. 🙂 🙂 🙂

Nun fuhren wir wieder in die Wildnis. Der Tamiami Trail (41) im Norden der Everglades führt zum „Big Cypress National Preserve“. Die Straße führt am Kanal entlang, wo Alligatoren, Egrets und Herons zu sehen waren. Nach einem kurzen Spaziergang im Shark Valley fuhren wir an der „Miccosukee Reserved Area“ vorbei und versuchten beim Campground „Midway“ unser Glück. Wir erhielten einen Platz, der wider Erwarten sogar Strom bereit hielt, so dass wir beide am Blog arbeiten konnten. Im kleinen See mitten auf dem Platz schwammen Alligatoren; auch am Ufer lag ein Alligator in der Abendsonne. 😉

Am nächsten Tag fuhren wir zum Shark Valley und mussten am Eingang erst einmal warten. Es war Wochenende und alle Parkplätze waren um 11 Uhr schon belegt. Gut, dass einige Fahrer wendeten und wieder weg fuhren! Nach 30 min durften wir in den Park fahren und machten eine herrliche Radtour bei Sonne und Wind. Der Hinweg lief schnurgerade am Kanal entlang, wo wir viele Vögel entdecken konnten. Am Ende erwartete uns ein Aussichtsturm, über dem die Geier ihre Runden zogen… Oben war es besonders windig, so dass Werner sein Käppi verlor, was mich mal wieder an vergangene Klassenfahrten auf Amrum erinnerte. Kevins Käppi landete bei den Pferden…;-)

Am Fahrradständer plünderten einige Raben die Fahrradtaschen eines Touristen, denn er hatte Lebensmittel darin liegen gelassen. Die Raben müssen noch andere Dinge gefunden haben, denn er suchte später sorgfältig das Gelände nach den verlorenen Gegenständen ab…
Der Rückweg war natürlicher mit vielen Kurven und gefiel uns sehr gut. Wir sahen viel Wasser aber weniger Vögel. Mit unseren E-Bikes fuhren wir bei starkem Gegenwind durch die Natur zum Parkplatz zurück und waren geschafft von der prallen Sonne…

Am nächsten Tag sahen wir auf dem Campground zwei Alligatoren im See schwimmen. Sie lagen auf der Lauer und hatten den kleinen Hund eines Paares aus Georgia im Visier. Die beiden schienen aber keine Angst um ihre Hunde zu haben, denn Kenneth lockte die Alligatoren an, damit Werner ein gutes Foto schießen konnte. Wir erhielten den Tipp das Oasis Visitor Center zu besuchen und die Loop Road (scenic drive) zu fahren (a couple of hours) und dort oft anzuhalten. Im Visitor Center führte ein Holzweg am Kanal entlang, in dem wir viele Alligatoren, den seltenen White Heron und viele andere Wasservögel sahen. Die Rangerin erklärte uns, wie wir den Kormoran vom Anhinga unterscheiden können und wusste allerhand von den Alligatoren zu berichten. Wer wollte, durfte den oberen Teil des Schädels in die Hand nehmen, ein ganz schönes Gewicht! Das Gehirn des Alligators ist übrigens sehr klein. 😉

Die Loop Road ist eine unbefestigte Straße, die durch das „Big Cypress National Preserve“ führt. An gelb markierten Haltepunkten erhielten wir einmalige Einblicke in diese Wildnis, teilweise atemberaubend! Diese angelegten Wege bieten den Menschen die Möglichkeit einen Einblick in die Wildnis zu erhalten, die er auf eigene Faust nicht betreten kann. Kommt er vom Weg ab, so ist er hoffnungslos verloren. Wir blieben bis zum Einbruch der Dunkelheit (ca. drei Stunden) und hätten uns noch mehr Zeit gewünscht. Immer wieder hielten wir an und bewunderten die Zypressen, die im Wasser stehen und die Tiere in diesem Lebensraum. Mit Respekt betrachteten wir diese einmalige Natur. 🙂

Wenn es mir zu unheimlich wurde, blieb ich im Wohnmobil sitzen. So z.B. als uns plötzlich unzählig viele Geier den Weg versperrten. Schon von weitem hatten wir das Blaulicht gesehen; zwei Ranger beobachteten die Lage und stoppten uns. Werner schnappte sich die Kamera und wunderte sich über den extremen Verwesungsgeruch, der in der Luft lag. Langsam wagte er sich an die große Ansammlung von Geiern heran; der Geruch wurde unerträglich. Die Geier fraßen das Aas eines Alligators  und hierbei gab es eine klare Hackordnung. Auch in der Warteschleife behauptete jeder seinen Platz. Auf den Bäumen lauerten ebenfalls unsagbar viele Geier auf ihre Chance…
Ich habe 70 gezählt, kein Wunder, dass es mir da nicht nach „frischer Luft“ zumute war. 😉

An diesem Abend waren wir recht aufgewühlt und gingen erst spät schlafen. 🙂 🙂 🙂

Ein Gedanke zu „Die Everglades II

  1. Ja, diese Käppis, Friedrich hatte auch ab und das Problem, aber es ist auf dieser Reise gut gegangen.
    Da letzte verlorene Käppi war von Jenni, letztes Jahr in Paris, nun schwimmt es auf der Seine.
    Viele Grüße
    Petra

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